Der Texthobel,
die Werkstatt für Texttechnik

Einladung zum Kaffee
Johanna Jeitler

Er sieht mich durch tief stehende Augen an, die buschigen Augenbrauen stehen weit hervor, sein Blick weicht nicht von mir ab.
Ich sehe aus dem Fenster und ärgere mich, warum schaue ich nur weg? Die Landschaft streift vorüber, blauer Himmel, ein paar Kühe auf der Weide, das erste Grün in den Wiesen. Nein, ich habe es nicht nötig den Blicken auszuweichen, sehe zurück. Nach wie vor starren mich die tiefbraunen Augen an, ich spüre schon förmlich eine Einladung zum Kaffee.
Er durchbohrt mich, hat hervorstehende Wangenknochen, wendet seinen Blick nicht ab. Ich starre genau in die Mitte seiner beiden Augen, am oberen Beginn des Nasenrückens. Für einen Augenblick sieht er auf die Seite und starrt mich wieder an.
Ich spüre wie meine Wangen rot anlaufen, versuche mich abzulenken und tippe auf den möglichen Beruf meines Gegenübers. Student, Betriebswirt, Versicherungsvertreter oder Arzt? Er bewegt Mittel- und Ringfinger, ich erkenne durch seinen Pullover die Sehnen, die sich am Unterarm bewegen.
Er hält seinen Blick weiterhin gespannt zu mir, öffnet seine Lippen, es folgt in tiefem Ton: „Wüst a Watschn?“

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