Der Texthobel,
die Werkstatt für Texttechnik

Emotionen
Ulrike Prochazka

Es ist was es ist, sagt die Liebe. Sagt wer? Erich Fried. Ach ja, der.

Was sage ich nur? Und wer will das schon hören? Ich darf mich jetzt
ausprobieren, in geschütztem Rahmen, mein Innerstes präsentieren.
Vielleicht wird es gelobt, vielleicht sanft oder auch knapp und hart zerrissen. Dann bin ich in Stücke geteilt, platt gedrückt, beurteilt und verwertet. Bin ich
meine Texte? Nein, natürlich nicht, sagt der Kopf. Doch mein Körper spürt
den Schmerz, der Bauch krampft sich zusammen. Irgendwas in mir schreit:
„Nie wieder. Dem setze ich mich nicht aus.“

Und doch, da gibt es auch was anderes, ganz Zartes. So ein leichtes
Schwingen in mir. Die Mundwinkel wandern nach oben. Die Augen leuchten,
innerlich richtet sich irgendwas auf. Schultern ziehen sich zusammen,
Muskeln spannen an, es zittert mich: Ich darf jetzt meinen Text vorlesen.

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