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Texthobel, die Werkstatt für Texttechnik |
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Pamphlet
wider den Frühling Ahhh, trotz aller nüchternen, wissenschaftlichen Fakten über
Hormonausschüttung, Biorhythmus und ähnlicher krankenhausbehafteten
Begrifflichkeiten kann einem doch wirklich nichts die Wirkung der ersten
Sonnenstrahlen, der geballten 10.000 Lux mitten ins Herz, madig machen.
Eine Fülle an Adjektiven ertönt jeden Frühling aus den
Mündern all der wintergeplagten Menschen in jenen Tagen, pünktlich
wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen die Erinnerung an die gefühlten
10.000 Jahre Eiszeit schneller dahinschmelzen als sie das erste Eis vom
Stanitzel stupsen. Herrlich, toll, super, geil, schön, angenehm,
lange erwartet, grade noch rechtzeitig für die armen Blumen, gar
nicht stark genug sein könnend. Die Liste lässt sich beliebig
lange fortsetzen. Man könnte meinen, die gute Laune der Menschheit
verzieht sich in den Winterschlaf um erst mit den Bären im Frühjahr
daraus zu erwachen. Auch das Wort Frühlingsgefühle deutet darauf
hin, fast so als gäbe es im Winter keine Gefühle, maximal eine
Winterdepression. Und Sex gibt es natürlich bei Schnee auch keinen
und alle August bis Oktober-Geborenen sind statistische Ausreißer
oder Fälschungen. Lang lebe das Internet und das künstliche
Licht, welches uns ermöglicht, auch im Winter Zeit für negative
Gedanken zu haben, nicht so wie unsere Vorfahren, die 16 Stunden Finsternis
bei Funzelillumination und Kaminfeuer natürlich lediglich zum Bibelstudium
genutzt haben. |
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