Der Texthobel,
die Werkstatt für Texttechnik

U-Bahn-Dialog
Susanne Grof

„Stehns bitte auf, ich brauch an Sitzplatz.“
„Wie bitte?“
„Der Sitzplatz. Ich will mich hinsetzen.“ Die Alte drängelt eine geblümte Einkaufstasche vor die Sitzende. „Stehns bitte auf, der Zug fahrt gleich ab.“
„Entschuldigen Sie bitte, aber da gegenüber sind drei freie Plätze.“
„Die sind gegen die Fahrtrichtung, da wird mir schlecht.“
„Ja, und mir ist schon schlecht. Setzen Sie sich doch da weiter vorne hin. Der Wagen ist halbleer!“ Natürlich könnte sie den Platz wechseln, aber irgendwie…
„Zug fährt ab!“
Die Alte taumelt, eine beige Kunstledertasche schlägt der Sitzenden ans Knie.
„Hams das gsehn! Jetzt hätts mich fast umghaut. Stengans bitte auf. Das ist ein Behindertenplatz und ich bin gebrechlich!“
„Und ich bin schwanger!“ sagt die Junge störrisch, schlägt die hübsch bestrumpften Beine übereinander, schaut um Hilfe heischend um sich. Fünf Augenpaare blicken interessiert in ihre Richtung.
„Sie sand schwanger! Gengans, derzählns kan Bledsinn! Da ziagn sa sich so ein Rockerl an?“… „Schlampn…“
„Das habe ich gehört! Lassen Sie mich sofort in Ruhe, oder ich rufe die U-Bahnaufsicht. Das ist ja unerhört!“
„Ja, könnens gern rufen, die U-Bahnaufsicht. Werma schon sehen, wem die mehr glauben. So einem Flitscherl wie ihna, oder…“
„Flitscherl? Flitscherl? Das ist eine Ehrenbeleidigung! Ich sag Ihnen jetzt etwas, entweder sie lassen mich sofort in Ruhe, oder ich klage Sie. Die Leute da drüben, die haben das auch gehört, die sind meine Zeugen.“ Sie deutet auf die Sitzenden. Einer vertieft sich in die U-Bahnzeitung, die übrigen starren zu Boden oder schauen interessiert aus dem Fenster. Draußen zieht die dunkle Tunnelwand vorbei.
Mit einem Ruck hält der Zug im Tunnel, wieder schlägt die Tasche ans Knie. „Wegen einer Betriebsstörung….“ Chris Lohner schnarrt aus dem Lautsprecher.
„Ja, klagens mich ruhig! Dann klag ich sie auch! Wegen öffentlicher Gefährdung, oder wie des haßt. Ich hab Thrombose-Gefahr. Ich brauch den Platz. Sofort!“
Die junge Frau wird blaß. „Mir ist ganz flau im Magen… Könnten Sie das Fenster ein wenig…?“
„Gar nix werd ich. Sie sand ned schwanger!“
Die junge Frau schluckt sichtbar, kramt hektisch in ihrem Täschchen. Beugt sich plötzlich vor, ihr Rücken hebt sich ruckartig.
„Mei schöne Taschn!“ kreischt die Alte

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