Der Texthobel,
die Werkstatt für Texttechnik

Verstaubt
Emily Walton

„Du Arschloch.“
Ich möchte schreien, schaffe es aber nicht. Meine Kehle ist zu trocken. Nicht die Sonne dörrt mich aus wie eine Zwetschke im Rohr, sondern du. Du, mit deinen Intrigen und deinen Lügen. Blindes Vertrauen, sagtest du, sollten wir uns schenken. Oh ja! Ich habe dir vertraut und bin dabei selbst blind geworden.
Zu den Ausgrabungsarbeiten nach Ägypten habe ich deinen Schlafsack mitgenommen. Oben die Sterne, unten der Staub. Und ich habe mir vorgestellt, die Mosquitos die mich kitzelten, wären deine Finger. Wie habe ich mich nach dir gesehnt! Oder bei der Exkursion nach Island, als ich die kratzige Felldecke kraulte als wäre sie dein blondes Haar. Sie hat mich warm gehalten.
Und du? Du hast nie gefroren.
Sie hat dich gewärmt, hat ihre rasierten Beine wie eine Serpentine um dich geschlungen und ihre teuren Silikonbrüste in dein Kreuz gedrückt.
Wann hast du sie das erste Mal getroffen? Als ich in Alaska war? Oder damals während der Exkursion in Jordanien? Ich wäre fast verdurstet, als uns die Kamele in der Wüste krepierten. Du hättest es erst gemerkt, wenn sie dir den Sarg mit meiner stinkenden Leiche brachten. Du bist eben in deinem Rausch. Betäubt von den Margaritas und den Küssen dieser Anwaltsschlampe.
Eine Archäologin ist dir wohl zu verstaubt geworden. Dabei war es früher immer der Dreck unter meinen Fingernägeln gewesen, der dich gelockt hat. Kaum stand ich in der Tür, konntest du es kaum erwarten mir die Latzhose vom Leib zu reißen und meinen kalten Schweiß zu schmecken.
Und jetzt? Jetzt knöpfst du Chanelkostüme in Pastell auf und saugst an künstlichen Fingernägeln. Verätzen soll dich der Nagellack. Zuerst das Herz, dann Leber, Lungen, Zunge und am Schluss deine Augen.

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